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Außerorts geblitzt: Strafe, Punkte, Verbote

Wer außerorts geblitzt wird, muss Bußgeld zahlen und bekommt im schlimmsten Fall ein Fahrverbot.

Gerade auf Landstraßen und Autobahnen nehmen Autofahrer Geschwindigkeiten oft ganz anders wahr als in Ortschaften. Trotzdem gilt es, die vorgeschriebenen Tempolimits zu beachten. Wir zeigen dir, was passiert, wenn du doch einmal außerorts geblitzt wirst.

Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Geschwindigkeit ist außerorts maximal erlaubt?
  2. Welche Strafen drohen bei der Überschreitung der Geschwindigkeitsbegrenzung außerorts?
  3. Außerorts oder innerorts geblitzt: Was ist der Unterschied?
  4. Wiederholungstäter: Mehr als einmal außerorts geblitzt
  5. Bußgeldbescheid: So kannst du dich wehren
  6. Häufige Fragen zum Thema Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts

Stand 01/2021

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts kann leicht passieren. Vor allem auf Autobahnen tritt man vielleicht manchmal ein wenig zu beherzt aufs Gas. Auf freigegebenen Streckenabschnitten ist das aus Bußgeldsicht auch kein Problem. Doch auf normalen Landstraßen, Bundesstraßen und vielen Autobahnabschnitten gelten Tempolimits, deren Überschreitung ein Bußgeld und weitere Strafen nach sich ziehen.

Das Bußgeld außerorts beginnt bereits bei geringfügigen Überschreitungen von weniger als 10 km/h. Bei mehr als 20 km/h zu viel auf dem Tacho gibt es außerdem mindestens einen Punkt in der Verkehrssünderkartei und ab 26 km/h zu viel wird ein Fahrverbot verhängt. Fahranfänger und Wiederholungstäter erwarten zudem weitere Strafen.

Wer außerorts geblitzt wird, muss vergleichsweise geringere Strafen zahlen als beim selben Delikt innerhalb geschlossener Ortschaften. Allerdings sind die geduldeten Überschreitungen im Verhältnis zur gefahrenen Geschwindigkeit geringer, vor allem auf Autobahnen. Der Toleranzabzug ist aber derselbe wie bei Tempoverstößen innerorts.

Gegen einen Bußgeldbescheid wegen überhöhter Geschwindigkeit kannst du dich durch einen Einspruch wehren. Er muss 14 Tage nach Erhalt des Bescheides schriftlich erfolgen. Viele Messungen sind fehlerhaft, deswegen lohnt sich ein Einspruch vergleichsweise oft – vor allem dann, wenn es um hohe Bußgelder und Fahrverbote geht.

Welche Geschwindigkeit ist außerorts maximal erlaubt?

Um eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts zu vermeiden, solltest du zunächst einmal wissen, welche Tempolimits außerhalb geschlossener Ortschaften überhaupt gelten. Das ist nämlich keinesfalls einheitlich und nicht selten wird jemand außerorts geblitzt, weil er von einer falschen Annahme zum gültigen Limit ausgegangen ist.

Während in geschlossenen Ortschaften in der Regel nie mehr als 50 km/h gefahren werden darf, gelten für Landstraßen und Autobahnen andere Regeln. Trotzdem ist es auch dort wichtig, sich an die – wenn auch höheren – Tempolimits zu halten. Die meisten fatalen Unfälle passieren nämlich außerorts. Entsprechend heftig kann dann auch das Bußgeld außerorts ausfallen.

Geschwindigkeit außerorts auf Landstraßen

Sobald du eine geschlossene Ortschaft verlässt, befindest du dich auf einer Landstraße. Sie verbindet in der Regel zwei Orte, beginnt beim rot durchstrichenen Ortsausgangsschild und endet beim nächsten gelben Ortseingangsschild. Auf Landstraßen gilt regulär ein Tempolimit von 100 km/h, wenn kein Schild etwas anderes vorgibt. Fährst du schneller, könntest du außerorts geblitzt werden.

Geschwindigkeit außerorts  auf Bundesstraßen

Die nummerierten deutschen Bundesstraßen sind eigentlich auch nur Landstraßen – zumindest, wenn sie nur einen Fahrstreifen pro Fahrtrichtung haben. Dann gilt auch hier ein Limit von 100 km/h. Gibt es mehrere Spuren und existieren keine begrenzenden Schilder, dann ist auf Bundesstraßen kein Tempolimit vorgegeben, sondern nur die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h.

Was ist Richtgeschwindigkeit? Auf manchen Bundesstraßen und vielen Autobahnen gibt es kein Tempolimit. Rein rechtlich darfst du dort so schnell fahren, wie du willst. Allerdings gibt es die sogenannte Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Fährst du schneller begehst du zwar keine Ordnungswidrigkeit, kannst aber im Falle eines Unfalls in eine höhere Mithaftung genommen werden.

Geschwindigkeit außerorts auf Autobahnen

Wie bei mehrspurigen Bundesstraßen gibt es auch auf Autobahnen generell keine Geschwindigkeitsbegrenzung, solange nicht ein Schild etwas anderes vorgibt. Ist ein Autobahnabschnitt freigegeben, kannst du also nicht geblitzt werden. Aus Gründen der Verkehrssicherheit und aus Haftungsgründen ist es hingegen sinnvoll, sich an die Empfehlung der Richtgeschwindigkeit zu halten.

Was besagt das Sichtfahrgebot? Laut § 3 Abs. 1 der StVO muss jeder Verkehrsteilnehmer in der Lage sein, sein Gefährt innerhalb der einsehbaren Strecke zum Stehen zu bringen. Umso schneller du fährst, umso mehr Strecke muss also einsehbar sein, damit du nicht gegen dieses Gebot verstößt. Das gilt insbesondere bei schlechter Sicht durch Dunkelheit oder Witterung.

Geschwindigkeit in offenen Ortschaften

Offene Ortschaften werden mit einem grünen Ortseingangsschild in gelber Schrift gekennzeichnet. Durch offene Ortschaften darfst du wie auf Landstraßen mit 100 km/h fahren, falls kein Verkehrszeichen etwas anderes sagt.

Außerorts geblitzt? Toleranzabzug beachten!

Um das Bußgeld außerorts fair berechnen zu können, gibt es einen sogenannten Toleranzabzug. Er soll Messfehler und Ungenauigkeiten ausgleichen und kommt immer dem Fahrer zu gute. Erst der reduzierte Tachowert wird nämlich zur Bemessung der Strafe herangezogen.

Die Höhe des Toleranzabzugs richtet sich nach der Höhe der gemessenen Geschwindigkeit. Bis 100 km/h werden pauschal 3 km/h abgezogen – also 57 statt 60 oder 97 statt 100 km/h. Wer außerorts geblitzt wird und schneller unterwegs ist, dem werden 3 Prozent abgezogen – also rund 126 statt 130 km/h oder rund 155 statt 160 km/h.

Welche Strafen drohen bei der Überschreitung der Geschwindigkeitsbegrenzung außerorts?

Eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts kann ganz schön ins Geld gehen. Vor allem dann, wenn die Übertretung sehr groß war. Das kommt außerorts häufiger vor, da die Geschwindigkeiten ganz anders wahrgenommen werden als in der Stadt. Aus diesem Grund ist das Bußgeld außerorts etwas geringer als beim gleichen Verstoß innerorts.

Wer außerorts geblitzt wird, muss dennoch mit einer saftigen Strafe rechnen. Schon ab 21 km/h zu schnell außerorts gibt es zudem einen Punkt. Wer 26 bis 30 km/h zu schnell außerorts unterwegs ist, wird zudem mit einem Fahrverbot von einem Monat belegt. Wer 40 km/h zu schnell auf der Autobahn oder Landstraße fährt, bekommt zwei Punkte, ab über 70 km/h zusätzlich drei Monate Fahrverbot.

Bußgeldkatalog außerorts – Übersicht

Bußgeld außerorts - Übersicht
Dieses Bußgeld zahlst du außerorts bei Tempoüberschreitungen © Allianz Direct

Außerorts oder innerorts geblitzt: Was ist der Unterschied?

Ob eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts oder innerorts stattfindet, wirkt sich direkt auf die Höhe des Bußgeldes und die Grenzen für Punkte und Fahrverbote aus. Wirst du außerorts geblitzt, musst du selbst bei 25 km/h zu viel noch nicht um deine Fahrerlaubnis bangen. Das Bußgeld außerorts beträgt dann 70 Euro und es gibt einen Punkt.

Wirst du innerorts geblitzt und warst 25 km/h zu schnell, kostet das 80 Euro und du bekommst ein einmonatiges Fahrverbot. Es macht also einen großen Unterschied, ob du innerorts oder außerorts geblitzt wirst. Einen Unterschied im Toleranzabzug gibt es aber nicht. In beiden Fällen werden 3 km/h oder 3 Prozent abgezogen.

Außerorts geblitzt: Was gilt für Fahranfänger in der Probezeit?

Fahranfänger, die außerorts geblitzt werden, zahlen bis 20 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung auch nur das normale Bußgeld. Ab 21 km/h gilt die Übertretung jedoch als A-Verstoß und wird mit einer Verlängerung der Probezeit und der Verpflichtung zu einem Aufbauseminar bestraft.

Multiple Technologien: Wer außerorts geblitzt wird, muss nicht zwingend an einem stationären Blitzer vorbeigerast sein. Auch mobile Blitzer, Laserpistolen und Sensormessungen aus dem fahrenden Polizeifahrzeug heraus sind möglich. Auf das Strafmaß wirkt sich die Art des Nachweises nicht aus. Nur die Toleranzabzüge können abweichen.

Wiederholungstäter: Mehr als einmal außerorts geblitzt

Eine wiederholte Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 25 km/h innerhalb eines Jahres macht dich zu einem sogenannten Wiederholungstäter, der wegen Beharrlichkeit belangt werden kann. Neben dem Bußgeld gibt es dann noch einen zusätzlichen Monat Fahrverbot.

Achtung: Ein wiederholter Verstoß wirkt sich nur dann besonders nachteilig aus, wenn der erste Verstoß bereits rechtskräftig ist. Die Einspruchsfrist muss also schon abgelaufen sein.

Wiederholungstäter: Blitzer in der Probezeit

Wer als Fahranfänger außerorts geblitzt wird und nichts daraus lernt, muss sogar um seinen Führerschein fürchten. Dreimal eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts von mindestens 21 km/h bedeuten drei A-Verstöße und damit dauerhaft den Entzug des Führerscheins.

Bußgeldbescheid: So kannst du dich wehren

Du bist außerorts geblitzt worden, fühlst dich aber zu Unrecht mit Sanktionen belegt? Dann solltest du prüfen, ob du nicht vielleicht Einspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegen solltest. Viele Messungen sind fehlerhaft und führen somit auch zu anfechtbaren Bescheiden.

Ist der Bußgeldbescheid tatsächlich nicht rechtlich einwandfrei, so musst du kein Bußgeld zahlen und auch sonst keine Strafen fürchten. Allerdings hast du für deinen Einspruch nur 14 Tage Zeit. Am besten versendest du den Einspruch schriftlich per Einschreiben an die zuständige Bußgeldstelle.

Mehr Informationen zum Thema „Einspruch Bußgeldbescheid“ und zu den häufigsten Fehlern bei Bußgeldbescheiden und Geschwindigkeitsmessungen findest du hier: Einspruch Bußgeldbescheid

In jedem Fall raten wir dir, einen Anwalt für Verkehrsrecht einzuschalten.

Übrigens: Der Bescheid für eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts verjährt bereits nach drei Monaten. Ist also drei Monate nach deiner Übertretung kein Bescheid oder ein Anhörungsbogen eingegangen, hast du Glück gehabt und kommst um eine Strafe herum.

Selbst wenn du einmal außerorts geblitzt werden solltest: Wichtig ist, dass kein Unfall passiert ist und niemand zu Schaden kam. Sollte dies doch einmal passieren, so sichert dich unsere Autoversicherung bestens ab.

FAQ zu Außerorts geblitzt

Antworten auf die wichtigsten Fragen bekommst du hier.

  • Was passiert bei 30 km/h zu schnell außerorts?

    Vor allem auf Autobahnen reicht manchmal ein übersehenes Schild und schon ist die Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts passiert. Bei genau 30 km/h zu viel nach Abzug der Toleranz werden dann 80 Euro fällig und es gibt einen Punkt in Flensburg und einen Monat Fahrverbot.

  • Was kosten 15 km/h zu schnell außerorts?

    Etwas glimpflicher fällt das Bußgeld aus, wenn du nur 11 bis 15 km/h zu schnell warst. Dann kostet es dich nämlich nur 40 Euro. Grundsätzlich ist auch eine minimale Überschreitung von weniger als 10 km/h schon strafbar.

  • Welches Bußgeld kommt bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung auf mich zu?

    Die Höhe des Bußgeldes und weiteren Strafen ist nach Schwere der Übertretung gestaffelt. Wer außerorts geblitzt wurde, aber nur bis 20 km/h zu schnell war, kommt mit einer reinen Bußgeldstrafe davon. Ab 21 km/h gibt es einen Punkt und ab 26 km/h zusätzlich noch Fahrverbote. Das Maximum bilden alle Verstöße mit mehr als 70 km/h zu viel. Dann werden 600 Euro fällig und es gibt zwei Punkte sowie drei Monate Fahrverbot.

  • Was kosten 40 km/h zu schnell auf der Autobahn?

    Wenn du auf der Autobahn mit genau 40 km/h nach Toleranzabzug zu viel unterwegs bist, kostet dich das 120 Euro und bringt dir einen Punkt und einen Monat zu Fuß. Zum Vergleich: Derselbe Verstoß kostet dich innerorts stolze 160 Euro und bringt dir zwei Punkte sowie einen Monat Fahrverbot.

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