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Nachbarschaftsstreit: Umfrage zeigt die häufigsten Gründe in Deutschland

hausrat

Viele haben es schon erlebt: Nachbarschaftsstreit kann eine große Belastung im eigenen Heim sein, obwohl die Gründe oft banal scheinen. Lärm, Haustiere, überwuchernde Pflanzen, strittig geparkte Fahrzeuge und Ähnliches sind für viele Nachbarn ein leicht lösbares Problem, wenn man Vereinbarungen trifft und sich daran hält. Doch nicht immer ist die Verständigung erfolgreich. Nachbarschaftsstreit kann über Jahre hinweg schwelen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Eine neue repräsentative Umfrage der Allianz Direct Versicherung zeigt nun, welche Gründe am häufigsten in Deutschland Nachbarschaftsstreit auslösen und welche Altersgruppen, Geschlechter und Bundesländer am häufigsten von Konflikten mit den Nachbarn betroffen sind. Außerdem wird ein Blick darauf geworfen, wie sich Streit am besten vermeiden lässt und was zu tun ist, wenn der Streit schon im Gange ist.

Wie viele Menschen in Deutschland hatten schon einmal Nachbarschaftsstreit?

Umfrageergebnis: Verteilung der Antworten auf die Frage, ob Teilnehmende in einen Nachbarschaftsstreit involviert waren (2025).
Umfrageergebnis: Verteilung der Antworten auf die Frage, ob Teilnehmende in einen Nachbarschaftsstreit involviert waren (2025).

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass mehr als die Hälfte der Befragten schon einmal in Nachbarschaftsstreit involviert gewesen sind. 39,67 % der Befragten gaben an, einmal eine Auseinandersetzung in der Nachbarschaft gehabt zu haben. 14,4 % gaben an, sogar schon mehrfach involviert gewesen zu sein. Zusammengenommen ergeben diese Anteile 54,07 %, die mindestens einmal an einem Nachbarschaftsstreit beteiligt waren. Das zeigt, wie weit verbreitet diese Art von Konflikt in Deutschland ist.

41,2 % der Befragten gaben an, sie hätten noch nie Nachbarschaftsstreit gehabt, was immerhin mehr als ein Drittel der Befragten ist. 4,73 % der Befragten waren sich unsicher.

Welche Altersgruppen sind besonders häufig in Nachbarschaftsstreit involviert?

Ein Säulendiagramm mit den Prozentanteilen der Altersgruppen, die nicht, einmal oder mehrfach in Nachbarschaftsstreit involviert waren (2025).
Prozentanteile der Altersgruppen, die nicht, einmal oder mehrfach in Nachbarschaftsstreit involviert waren (2025).

Die Altersverteilung der Antworten in der Umfrage zeigte einen deutlichen Trend. Je jünger die Befragten waren, desto häufiger waren sie in Nachbarschaftsstreit involviert. 63,28 % der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren gaben an, schon mindestens einmal Nachbarschaftsstreit gehabt zu haben, während dies nur 52,53 % der 45- bis 54-Jährigen und sogar nur 42,47 % der Befragten in der Altersgruppe 55 Jahre und älter angaben. Auch bei den Anteilen an Befragten, die mehrfach Nachbarschaftsstreit hatten, zeigte sich dieser Trend: 22,66 % der 18- bis 24-Jährigen gaben in der Umfrage an, mehrmals Streit gehabt zu haben, was der höchste Anteil war. Dieser Anteil lag bei 35- bis 44-Jährigen bei nur 15,05 % und nur 6,96 % der 55-Jährigen und Älteren gaben an, mehrfach Nachbarschaftsstreit gehabt zu haben.

Was Nachbarschaftstreite verursacht: Beinahe die Hälfte haben den selben Grund

In der Umfrage von Allianz Direct wurden bei den Befragten, die angaben schon einmal in einen Nachbarschaftsstreit involviert gewesen zu sein, ebenfalls nach den Gründen für die Konflikte nachgefragt.

Ein Balkendiagramm zu den Gründen für Nachbarschaftsstreite nach Prozentanteilen der Befragten (2025).
Aufschlüsselung der Gründe für Nachbarschaftsstreite nach Prozentanteilen der Befragten (2025).

Der bei weitem häufigste Grund für Nachbarschaftsstreit war laut Umfrage Lärm oder Ruhestörung. Dieser Grund wurde von 42,66 % genannt, was ein mehr als doppelt so hoher Anteil ist, wie der Anteil für den zweithäufigste Grund. Lärm oder Ruhestörung sind in allen Bundesländern der häufigste Grund, jedoch weist das Saarland mit 60 % den höchsten Anteil an Befragten auf, deren Nachbarschaftsstreit durch Lärm verursacht wurde. Die Altersgruppe, die diesen Grund am häufigsten in der Umfrage nannte, waren 35- bis 44-Jährige.

Der zweithäufigste Grund sind Haustiere oder andere Tiere. 17,39 % der Befragten, die in einen Nachbarschaftsstreit involviert sind oder waren, gaben diesen Grund an. Die Altersgruppe, die diesen Grund am häufigsten angab, waren mit 20,99 % der Befragten die 18- bis 24-Jährigen. Das Bundesland, in dem dieser Grund den höchsten Anteil an involvierten Befragten betraf, ist Thüringen. Dort gaben 31,25 % der Befragten an, sich einmal mit ihren Nachbarn wegen Haus- oder anderer Tiere gestritten zu haben.

Konflikte aufgrund des Parkens von Fahrzeugen waren mit einem Anteil von 17,02 % der dritthäufigste Grund für Nachbarschaftsstreit bundesweit. Hiervon waren 35- bis 44-Jährige nach eigenen Angaben am häufigsten betroffen (19,44 %), während in der regionalen Verteilung Hessen mit 29,63 % den höchsten Anteil aufwies. In Hessen macht dieser Anteil Parkkonflikte außerdem zum zweithäufigsten Grund, im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern.

Das Verhalten von Kindern war der einzige weitere Grund, der von mehr als 15 % der Befragten angegeben wurde. Hier war die am häufigsten betroffene Altersgruppe 35- bis 44-Jährige, von der 21,3 % diesen Grund angaben. Im Saarland wurde dieser Grund vom höchsten Anteil der Befragten genannt: ganze 40 % der Nachbarschaftskonflikte der Umfrageteilnehmenden wurden hier durch das Verhalten von Kindern ausgelöst.

Überwachsende Bäume und Hecken, Grundstücksgrenzen und Zäune, sowie Probleme bei der Müllentsorgung waren laut Angaben der Befragten Grund für jeweils etwas mehr als 11 % der von ihnen erlebten Nachbarschaftsstreite. Jeweils 10,48 % der Befragten nannten Gemeinschaftseigentum und Privatsphäre als Grund. Diese signifikanten Anteile für eine Reihe von Gründen zeigt, wie unterschiedlich und individuell bedingt die Mehrheit der Nachbarschaftsstreite in Deutschland ist, wenn auch Lärm oder Ruhestörung neben diesen Gründen bei weitem die häufigsten sind. Wer es also vermeiden möchte Nachbarschaftsstreit auszulösen, sollte also auf jeden Fall auf den Geräuschpegel seines eigenen Haushaltes achten.

Bewohner der Stadtstaaten sind am häufigsten in Nachbarschaftsstreit involviert

Eine Deutschlandkarte mit den Anteilen der Befragten pro Bundesland, die angaben, Nachbarschaftsstreit gehabt zu haben (2025).
Eine Kartengrafik zeigt, wie hoch die Anteile der Befragten aus den Bundesländern waren, die angaben, Nachbarschaftsstreit gehabt zu haben (2025).

Laut der Umfrageergebnisse von Allianz Direct weist Bremen den höchsten Anteil an Befragten auf, der schon einmal in einen Nachbarschaftsstreit involviert war. Mit 71,43 % der Befragten ist Bremen deutlich über dem deutschlandweiten Schnitt von 54,07 %. Von denjenigen Befragten, die bereits Nachbarschaftsstreit hatten, gaben 14,29 % an, sie seien schon mehrfach in Nachbarschaftsstreit verwickelt gewesen. Der häufigste Grund für Nachbarschaftsstreit in Bremen war, wie in allen Bundesländern, Lärm oder Ruhestörung. 45 % der Befragten mit Nachbarschaftsstreit gaben diesen Grund für die Auseinandersetzung an. Der zweithäufigste Grund waren Haustiere oder andere Tiere, welcher von 20 % der involvierten Befragten als Grund angegeben wurde.

Befragte aus Hamburg gaben mit 66 % am zweithäufigsten an, in Nachbarschaftsstreit involviert zu sein oder gewesen zu sein. 20 % der Hamburger Befragten gaben sogar an, schon in mehrere Nachbarschaftsstreite verwickelt gewesen zu sein. Der häufigste Grund war auch hier Lärm oder Ruhestörung, welchen 54,55 % der involvierten Befragten angaben. Im Gegensatz zu Bremen war hier der zweithäufigste Grund das Verhalten von Kindern (angegeben von 15,15 % der involvierten Befragten).

An dritter Stelle liegt die Hauptstadt Berlin, womit alle drei Bundesländer mit den höchsten Anteilen Stadtstaaten sind. 59,63 % der Umfrageteilnehmenden aus Berlin gaben an, schon einmal Streit mit Nachbarn gehabt zu haben. Davon gaben 8,26 % an, schon mehrfach in Nachbarschaftsstreit involviert gewesen zu sein. Lärm oder Ruhestörung war laut Angaben der Befragten der Grund für 49,23 % der Nachbarschaftsstreite in Berlin. Der zweithäufigste Grund in der Hauptstadt waren Parkkonflikte, die von 16,92 % der Berliner Teilnehmenden angegeben wurde.

Bayern war in der Umfrage das Flächenland mit dem höchsten Anteil an Befragten, der schon einmal in einen Nachbarschaftskonflikt involviert war. In Bayern lag dieser Anteil bei 57,89 %, was nur knapp niedriger ist als in Berlin.  Mit 16,32 % gab in Bayern außerdem ein überdurchschnittlicher Anteil der Befragten an, mehrfach Streit mit ihren Nachbarn gehabt zu haben. Die häufigsten Gründe für Nachbarschaftsstreit in Bayern waren Lärm oder Ruhestörung (37,27 % - ein vergleichsweise niedriger Anteil), überwachsende Bäume oder Hecken (18,18 %) und Parkkonflikte (16,36 %).

Befragte aus dem Saarland gaben am seltensten in der Umfrage an, jemals in einen Nachbarschaftsstreit involviert gewesen zu sein. Hier waren es nur 29,41 % der Befragten, die dies bejahten. Wie auch in den anderen Bundesländern war hier Lärm oder Ruhestörung der häufigste Grund, welcher von 60 % der Befragten aus dem Saarland angegeben wurde. 40 % der Befragten gaben außerdem das Verhalten von Kindern, sowie Eigentumsgrenzen/Zäune als einen der Gründe für Nachbarschaftsstreit an, was diese beiden Gründe im Saarland deutlich häufiger machte als in anderen Bundesländern.

Nachbarschaftsstreit: Was tun, um den Konflikt zu vermeiden oder zu schlichten?

Nicht jede Auseinandersetzung mit Nachbarn muss zu einem langfristigen Streit führen. Da Nachbarschaftsstreit aber auch eskalieren kann, ist es besonders wichtig zu wissen, wie man selbst deeskalieren kann. Selbst die oben genannten Gründe für Streit zu vermeiden, oder mit den Nachbarn zu sprechen, um zu sehen, ob einer dieser Gründe sie belasten könnte, wie z.B. das Verhalten von Kindern, ist ein hilfreicher Schritt.

Wenn es doch zum Streit gekommen ist, ist es besonders wichtig einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht selbst zu provozieren oder vorschnell drastische Maßnahmen zu ergreifen, die den Streit unnötig weiter eskalieren könnten. Die folgenden Schritte können dabei helfen.

1. Situation richtig bewerten

Zunächst ist es am wichtigsten, die Situation korrekt einzuordnen, z.B. ob es sich um einen Einzelfall bzw. nicht zusammenhängende Fälle des störenden Verhaltens handelt, oder auch ob sich der Nachbar oder die Nachbarin vielleicht gar nicht bewusst ist, dass sein oder ihr Verhalten die Nachbarn belastet.

2. Verbale Einigung suchen

Oft kann frühzeitige, sachliche Verständigung mit dem Nachbarn im direkten Gespräch einen Streit ganz verhindern, aber auch wenn Probleme weiter fortgeschritten sind, kann kontinuierliche Kommunikation in Verbindung mit klaren Abmachungen dazu führen, dass Kompromisse und Verständnis aufgebaut werden, besonders wenn es sich um individuelle Routinen oder Bedürfnisse einer der beiden Parteien handelt, die nicht rechtlich geregelt werden können.

3. Regeln und Rechte überprüfen

Sollte eine sachliche verbale Einigung nicht weiterhelfen, ist es wichtig, erst einmal seine Rechte, und bei Mietwohnungen und -häusern die vorliegenden Regeln der Hausgemeinschaft bzw. -verwaltung, genau zu kennen und nur dann weitere Schritte einzuleiten, wenn der Grund, der den Streit verursacht, gegen Hausregeln oder gesetzliche Richtlinien, wie Ruhezeiten, verstößt.

4. Externe Mediation einschalten

Wenn direkte Kommunikation fehlgeschlagen ist und ein Fehlverhalten des anderen vorliegt, kann es helfen, einen neutralen Dritten, wie eine Schlichtungsstelle, den Mietverein oder Mediatoren zur außergerichtlichen Konfliktlösung einzuschalten. Dies ist ein wichtiger Schritt in der Schlichtung eines Nachbarschaftsstreits, auch wenn sie in Situationen, in denen die direkte Kommunikation nicht geholfen hat, oft aussichtslos scheint. Ein neutraler Dritter kann nicht nur bei der Kompromissfindung helfen, sondern die Mediation ist auch in vielen Bundesländern Pflicht, bevor mit dem Streit vor Gericht gegangen werden darf.

5. Vorfälle oder Schäden dokumentieren

Wenn auch dieser Schritt nicht hilft, ist es von Vorteil, die auslösenden Vorfälle dokumentiert zu haben, z.B. durch Fotos, Lärmprotokolle und Zeugenaussagen. Für jeden dokumentierten Vorfall sollte außerdem Uhrzeit, Datum und Art des Vorfalls notiert werden.

6. Vermieter oder Hausverwaltung in Kenntnis setzen

Ein weiterer Schritt bevor Behörden eingeschaltet werden, sollte es sein ggf. Vermieter oder Hausverwaltungen von den Vorfällen und bereits vorgenommenen Schritten klar und sachlich zu informieren. Hierbei können auch Fristen zur Abhilfe gesetzt werden.

7. Polizei oder Ordnungsamt einschalten

Sollten in dem Konflikt tatsächliche Ordnungswidrigkeiten, oder zumindest ein Verdacht darauf, vorliegen, welche nach allen Einigungsversuchen bestehen, kann das Ordnungsamt eingeschaltet werden. Strafanzeigen sollten allerdings nur als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Liegen akute Gefahr, Bedrohung, Gewalt oder Sachbeschädigung vor, sollte allerdings unverzüglich die Polizei verständigt werden.

Unsere Methodik:

  1. Allianz Direct hat diese Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, wie, wo und warum Deutsche am häufigsten in Nachbarschaftsstreit involviert sind.
  2. 1.500 deutsche Einwohner ab 18 Jahren und über alle Bundesländer verteilt nahmen an der Studie teil.
  3. Zuletzt wurden die Teilnehmenden nach Bundesland, Alter und Geschlecht gruppiert, um ein Ranking der jeweiligen Kategorie zu erstellen.
  4. HINWEIS: Die Stichproben waren proportional über die Bundesländer nach ihrer Größe verteilt, d.h. Bundesländer mit geringerer Bevölkerung wurden durch eine kleinere Stichprobe repräsentiert.
  5. Die Umfrage wurde vom 08.12.2025 - 18.12.2025 durch das Umfrageinstitut Censuswide durchgeführt und alle Daten waren zu diesem Zeitpunkt korrekt.

Quellen: